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Friedrich Nowottny über Bundespräsident Christian Wulff06:15

Friedrich Nowottny über Bundespräsident Christian Wulff

Friedrich Nowottny spricht im PHOENIX-Interview mit Stephan Kulle über Bundespräsident Christian Wulff

Kommentare zu Christian WulffBearbeiten

"Begabung, Ausbildung und Kompetenz zählen heutzutage nicht mehr viel. Ein Dilettantismus, der keine Selbstzweifel kennt, hat sogar die höchsten Staatsämter erfasst."
"Der Bundespräsident ist nur Symptom einer schwachen politischen Klasse, der Intellekt und Visionen fehlen. Politiker müssen unabhängiger von Medien und Wirtschaftsklüngel werden."
"Bettina Wulff könnte die bislang jüngste "First Lady" werden. Sie bringt ihre junge Familie und die Erfahrungen einer alleinerziehenden Mutter mit nach Bellevue. Sie scheint fast zu perfekt."
"Landespolitiker durch und durch: Schon als Ministerpräsident gibt sich Christian Wulff präsidial. Vor der Wahl des Bundespräsidenten wirkt er doppelt verändert: Der beliebteste Schwiegersohn der Republik ist auch ein Machtpolitiker - auf seine Weise."
"Sie ist tätowiert und liebt das Scheinwerferlicht: Bettina Wulff gilt als ungewöhnlichste First Lady aller Zeiten."
"Sie ist nicht nur die neue First Lady, sondern auch die wichtigste Beraterin ihres Mannes, dem neuen Bundespräsidenten. Bettina Wulff strahlt Frohsinn und Unbekümmertheit aus. Ihr Ehrgeiz wird nun gedämpft durch das Bemühen, der neuen Aufgabe gerecht zu werden."
"Solange Christian Wulff Landespolitiker in Niedersachsen war, warf er der politischen Konkurrenz mit Verve ihre moralischen Verfehlungen vor. Ein Beispiel aus dem Jahr 1995 zeigt: Selbst mit der Wahrheit nahm es der Christdemokrat nicht so genau, wenn es darum ging, eine politische Gegnerin auszuschalten."
"Noch ehe er (wahrscheinlich) zum Bundespräsidenten gewählt wird, haben viele schon ihr Urteil über den bisherigen niedersächsischen Ministerpräsidenten gefällt. Die SPD ätzt: Er sei ein Schwiegersohn-Typ mit einer 'politischen Laufbahn, aber keinem Leben'. Das ist so dumm wie falsch."
"Die Diskussion über den Bundespräsidenten ist ein guter Anlass, darüber nachzudenken, ob wir Vergebung als eine öffentliche Kategorie gelten lassen können. Vielleicht appelliert Bundespräsident Christian Wulff an etwas, das es nicht mehr gibt."
"Buße zeigt die Grenzen staatlicher Gewalt und derer, die sie ausüben. Christian Wulff bittet aber nicht um Entschuldigung - er entschuldigt sich selber."
"Das eigentliche Problem an Christian Wulff ist für viele Vertreter der Meinungselite seine demonstrative Kleinbürgerlichkeit. Je länger die Affäre dauert, desto stärker treten die Vorbehalte hervor."
"Vielen erschien Wulff immer zu bieder für das Präsidentenamt, zu kleinbürgerlich in seinen Ansprüchen, ein Aufsteiger aus einem Milieu, das zu verachten in Deutschland Tradition hat, jedenfalls in den Schichten, die hierzulande den Ton angeben. Die intellektuelle Klasse hat dem Kleinbürger nie Sympathien entgegengebracht, anders als dem Arbeiter oder auch dem Habenichts. Der Kleinbürger gilt ihr als Minusvariante des Bürgers, ein Mensch von beschränktem Format. Klein, eng, verstellt ist seine Welt, Hort des Betulichen und Beschränkten, wo man am Wochenende den Rasen mäht, Schnittblumen zum Muttertag schenkt... (...) Von der Verachtung der Eliten hat schon Helmut Kohl profitiert. Ganze Generationen von Journalisten haben sich über seine Sprache lustig gemacht, die Münzsammlung auf dem Schreibtisch, die Vorliebe für einfache Hausmannskost.(...) Nur übersahen sie dabei, dass sich die meisten Menschen in Deutschland im Spott über das Provinzielle mitverspottet sahen."
"Man ist Mensch, sagte Christian Wulff im Fernsehinterview. Doch ums Menschsein geht es nicht, um das Bundespräsidentsein geht es. Das sollte der Amtsträger wissen."
  • Harald Welzer, Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Professor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke
"Er verhält sich eben nicht wie ein Bundespräsident, sondern wie eine Privatperson, die man bei irgendetwas Enttäuschendem wie einer Lüge oder einem Vertrauensbruch ertappt hat und die sich nun herauszuwinden versucht. (...) Er ist der höchste Repräsentant des Souveräns, der in der Demokratie das Volk ist, zu dem ich neben achtzig Millionen anderen auch gehöre. Deshalb nehme ich es persönlich, dass der Bundespräsident aus der Rolle fällt. Genauer: Er verwechselt sich stets selbst mit der Rolle, die er einzunehmen hat. Als Ministerpräsident glaubt er, seine private Person sei gemeint, wenn er in die Ferien eingeladen wird, und als Bundespräsident adressiert er eine private Entschuldigung an die Öffentlichkeit und reklamiert auch noch, dass er sich in einem Lernprozess befinde. Die Rolle des Bundespräsidenten aber „lernt“ man nicht; sie ist von der Verfassung festgelegt, und deren Anforderungen hat man zu erfüllen. Man kann sich als private Person furchtbar unsicher sein, ob man dem allen gewachsen ist, aber das kann man als Ehemann seiner Frau offenbaren oder als Freund einem Freund. Ganz sicher sieht die Rolle des Bundespräsidenten öffentliche Eingeständnisse von Privatem nicht vor. (...) Es geht (...) darum, dass man sich nicht von Personen repräsentiert sehen möchte, die sich offensichtlich nicht den Gedanken zu eigen gemacht haben, dass sie lediglich Repräsentanten von Teilen des Gemeinwesens sind und dass die dazugehörige Rolle Dinge von ihnen fordert, die mit ihren privaten Vorlieben, Schwächen und Gewohnheiten nicht das Geringste zu tun haben. In seinem Fernsehinterview hat Christian Wulff gesagt: „Man ist Mensch, und man macht Fehler.“ Exakt dieser Satz offenbart sein Selbstmissverständnis. „Menschlich“ hat wahrscheinlich kaum jemand etwas gegen ihn; ich jedenfalls nicht, zumal ich ihn gar nicht kenne. Ich würde daher auch nie auf die Idee kommen, an ihn als private Person irgendeine Kritik zu richten. Er müsste nur als Bundespräsident zurücktreten."

Kommentare zu den MedienBearbeiten

Kommentare zur "Bild"-ZeitungBearbeiten

  • Der Bild-Zeitung wird vorgeworfen, eine gezielte Kampagne, einen "Feldzug" zu inszenieren und "dem Reiz, selbst Politik zu machen", nicht zu widerstehen (Ulrich Schulte, taz). Natürlich entscheide "Bild in der Affäre mit, natürlich (mache) das mächtigste deutsche Medium gerade Politik."[1]
"Diekmann hat sich in den vergangenen Tagen im Schaukampf zweier Männer um das oberste Staatshaupt gefallen. Die Bürger stehen als Zaungäste daneben. Ihre Marginalisierung sollte beunruhigen."
Dies sei jedoch "eine Grenzverletzung. Die Zeitung gibt ihre Beobachterfunktion weitgehend auf und verfolgt nur mehr das Ziel: Wulff soll zur Strecke gebracht werden." Dahinter stehe "die Anmaßung, ein Medium solle und könne über Wohl und Wehe eines Politikers entscheiden. Bild inthronisiert und entlässt - Parteien oder die Bürger sind nur noch Spielbälle." Diese "Verletzung journalistischer Ethik" sei jedoch "kein Alleinstellungsmerkmal" der Bild-Zeitung.[1]
  • Brigitte Baetz (Deutschlandradio) meint, die Rolle der Bild-Zeitung in der Affäre lasse erkennen, "es ist und bleibt ein Kampagnenblatt, dem es nicht ausreicht, Fakten zu drucken und es der Öffentlichkeit zu überlassen, welche Schlüsse sie aus diesen Fakten zieht."[2] Die Bild-Zeitung halte "das Thema mit großer Lust am Köcheln" und spiele "über Bande, um sich die Meinungsführerschaft in dieser Sache zu erhalten. (...) Im 60. Jahr ihres Bestehens möchte die Bild-Zeitung anscheinend den Kopf Christian Wulffs als Trophäe in ihre Jagdsammlung aufnehmen." [2]
  • Der Enthüllungsjournalist und Medienkritiker Günter Wallraff hat den Eindruck, die Bild-Zeitung wolle Wulff vernichten. "Das ist keine Demontage. Das ist Vernichtungswille." Es handele sich um eine "medial inszenierte Hinrichtung".[3]
  • Silke Burmester setzt sich in ihrer Spiegel-Online-Kolumne "Helden der Gegenwart" im Blick auf die "als Erstes im Grundgesetz" verankerte Menschenwürde mit der Affäre auseinander.
"Diekmann gehört wohl zu den gerissensten Medienmachern des Landes, nichts scheint ihm heilig - und ausgerechnet dieser Mann mit dem von Scheinheiligkeit betriebenen Apparat im Rücken, kann sich jetzt als Verfechter moralischer Grundsätze feiern lassen."[4]
  • Joachim Frank (Chefkorrespondent des Kölner Stadt-Anzeigers) stellt fest, es sei der Punkt erreicht, "an dem Journalisten auch die Peinlichkeiten und Absurditäten ihrer eigenen Branche thematisieren." Zwar habe Wulff
"mit seiner Kriegsrhetorik (...) die Tonlage vorgegeben – und auch damit Kritik provoziert. In der Sache aber bestreitet kaum noch jemand einen Feldzug – allerdings nicht des Generals ohne Armee im Schloss Bellevue, sondern der hochgerüsteten Truppe aus dem Hause Springer."
Dabei befinde "Bild" sich in "einem Recherche-Wettlauf mit anderen Blättern", und behandele daher "aus Sorge um den eigenen Vorsprung (...) den ersten Mann im Staat wie das Hinterletzte."[5]
  • "Unbehagen über die Macht der Medien" bewege neben "Mitleid für den Verfolgten" viele Deutsche, schreibt Jan Fleischhauer in seiner Spiegel-Online-Kolumne "Der schwarze Kanal". Es sei zu vermuten, dass
"die meisten Deutschen es durchaus problematisch finden, wenn der erste Mann im Staat seinen Privatkredit zu Konditionen erhält, die außerhalb jeder Norm liegen. Aber sie wollen wahrscheinlich auch nicht, dass in den Redaktionsetagen der Republik darüber entschieden wird, wie lange jemand im Schloss Bellevue residieren darf und wann es Zeit für einen Rücktritt ist."
Jeder Chefredakteur eines mittelmäßigen Provinzblatts in Deutschland könne
"jetzt einmal den furchtlosen Ankläger spielen. Selbst im 'Schwarzwälder Boten' findet man in diesen Tagen donnernde Leitartikel, die den Bundespräsidenten aufs Korn nehmen. Das hat viel mit dem menschlichen Rudeltrieb zu tun, der auf Schwäche reagiert, weniger mit der heiligen Pflicht zur Aufklärung, die viele aus diesem Anlass beschwören."[6]
  • "Von Tag zu Tag" verstärke sich das Gefühl, in der Wulff-Affäre habe auch "die sogenannte seriöse Presse (...) die Besinnung verloren", schreibt Ex-BamS-Chefredakteur Michael Spreng in seinem Blog Sprengsatz. "Alle hängen irgendwie am Tropf von BILD und lassen sich täglich neu instrumentalisieren." Das Ganze sei "ein sich täglich neu selbst anschiebendes Medienkarussell". Da jedoch "'Spiegel', 'Süddeutsche' und FAS" von dem "verlogenen Spiel" der Bild-Zeitung profitiert hätten, gebe es "bis heute auch keine kritische Aufarbeitung der Rolle von BILD." Der Fall Wulff sei "auch ein Versagen des kritischen Medienjournalismus."[7]
  • Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Michael Konken, warnte in einem Interview mit dem Deutschlandradio Kultur (09.01.2012) im Zusammenhang mit der Wulff-Affäre vor Kampagnen-Journalismus.[8]Konken sagte,
"es wäre ein schlechter Sieg, wenn die Medien dafür verantwortlich wären, wenn Christian Wulff zurücktrete. Die Politiker seien dafür zuständig, das Gespräch mit Herrn Wulff zu suchen. 'Wir können die Fakten liefern, mehr dürfen wir nicht'. (...) Natürlich gehöre es zur Pflicht der Medien, Skandale und Affären aufzudecken, allerdings sei die dominante Medienberichterstattung in den letzten Wochen vielleicht auch etwas übers Ziel hinausgeschossen. (...) Indirekt warf Konken der Bild-Zeitung vor, eine Kampagne gegen den Bundespräsidenten zu fahren: "Vielleicht versucht hier die 'Bild' natürlich auch, diese seriösen Medien für sich zu benutzen, um damit natürlich auch mehr Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit zu erzeugen, um damit auch die Öffentlichkeit wiederum mehr zu den Meinungsträgern zu machen, die die 'Bild' braucht, nämlich hier eben die Botschaft zu platzieren: Dieser Bundespräsident ist nicht mehr haltbar."[8]
  • Heribert Prantl, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, schreibt in einem Kommentar am 09.01.2012 ("Wider die Maßlosigkeit"), die Kritik an Bundespräsident Wulff entziehe sich
"mit ihrer Verbissenheit (...) ihre eigene Legitimität: Es ist nicht die Aufgabe der Medien, einen Rücktritt zu erzwingen. Ein Rücktritt ist nicht die den Medien zustehende Bestätigung und Belohnung für die Aufdeckung einer Affäre."[9]
  • In einem Interview mit der taz [10] äußert sich der frühere Bild-Chefredakteur Udo Röbel am 11.01.2012 über die Strategie seines Nachfolgers Diekmann im Zusammenhang mit der Wulff-Affäre. Durch die gewachsene Bedeutung des Internets in der Sphäre des Boulevardjournalismus habe "Bild" Auflage verloren und hätte "durch boulevardeskes Verhalten überhaupt keinen Vorteil mehr". Auf die Frage, ob die Bild-Zeitung sich daher nun "als politisch-moralisches Medium" neu erfinde, antwortet Röbel:
"Sagen wir so: In dem Moment, in dem alte Geschäfts- und Gefechtsfelder nichts mehr bringen, muss ich mich nach neuen Feldern umsehen. Bild hat sich gefragt: Okay, wo sind unsere öffentlich-medialen Bedeutungsfelder? Antwort: Politik. Deswegen hat Bild sich nicht nur in den Berliner Politikbetrieb integriert, sondern alles daran gesetzt, die Führung zu übernehmen oder zumindest den Anschein zu erwecken, Agendasetter zu sein."
Die Interviewer vermuten, "in diesem Bestreben (sei) die Wulff-Jagd ein Meilenstein". Darauf der Ex-Chefredakteur:
"Ja. Die Wulff-Affäre ist ein Sechser im Lotto für Bild. Sie enthüllt – und das hat bei der Veröffentlichung bestimmt im Hinterkopf mitgeschwungen – unsaubere Kredite des Präsidenten. Nicht Spiegel. Oder Stern. Sondern Bild! Ein Coup. Und durch Wulffs blöden Umgang mit der Affäre steht Bild jetzt als Gralshüter der Pressefreiheit da."
  • Seinen Vorwurf, "Bild" instrumentalisiere auch "die sogenannte seriöse Presse (...) täglich neu", begründet Michael Spreng (Sprengsatz) am 09.01.2012 mit einer "Rückblende"[7]:
"Die Affäre drohte über die Feiertage einzuschlafen, weshalb BILD der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS) und der “Süddeutschen Zeitung” durchstach, dass Wulff auf Diekmanns Mailbox mit “Krieg” , einem Strafantrag und dem endgültigen Bruch mit Springer gedroht hatte. Daraufhin brach ein neuer Sturm der Entrüstung los. Die Affäre hatte mit neuem Schwung das neue Jahr erreicht.
BILD wiederum konnte jetzt, ohne sich die Finger selbst schmutzig zu machen, über das Telefonat berichten, mit Empörung darauf reagieren und den Bundespräsideten auffordern, dazu Stellung zu nehmen.
Und dann der Höhepunkt: nachdem Wulff in seiner teilwahrheitshaften Art im TV-Interview das Telefonat schönte, konnte BILD ihn auffordern, einer Veröffentlichung des Telefonats zuzustimmen. Als dieser ablehnte, stach BILD an den “Spiegel” weitere Einzelheiten durch. (...)
BILD lagerte das Riskiko eines Bruchs der Vertraulichkeit einfach aus. Um die genaue und erste Quelle, nämlich Kai Diekmann, zu verschleiern, teilte BILD “in eigener Sache” mit, das Telefonat sei in der Redaktionskonferenz breit diskutiert worden. Will heißen: so breit, dass auch wir leider nicht wissen, welcher illoyale Redakteur das herausgegeben hat."[7]
Spreng nennt dies ein "verlogenes Spiel", von dem "'Spiegel', 'Süddeutsche' und FAS (...) profitiert haben". Das "falsche Spiel um das Telefonat" erfülle nicht "die kritische Funktion der Presse"[7].
  • Silke Burmester geht in ihrem Kolumnenbeitrag "Komm zurück, liebe Würde" am 08.01.2012 bei Spiegel Online ebenfalls auf diese Vorgänge ein.
"Das Stück, das Diekmann mit seiner "Bild" inszeniert, das muss man ihm lassen, ist eine Glanzleistung in Sachen Perfidie. Die Königsmacher aus Berlin sägen am Thron, ohne sich die Finger schmutzig zu machen, schlicht indem sie andere sägen lassen: Diekmann hat einen Anruf Wulffs auf der Mailbox. Den spielt er - nach eigener Aussage - seinen Gewährsmännern vor. Der Inhalt landet bei der "FAS" und der "Süddeutschen Zeitung" und niemand kann behaupten, er käme von Diekmann. Der Versuch Wulffs, Druck auf die Redaktion auszuüben, entwickelt sich zu Teil II des Skandals."[4]
  • Günter Wallraff äußert sich in einem Interview mit der Berliner Zeitung am 12.01.2012 zu dem betreffenden Vorwurf:
"Aber bei einem vertraulichen Gespräch, da sollte man sich eigentlich darauf verlassen, dass es vertraulich bleibt. (...) Was man auf eine Mailbox spricht, sollte auf jeden Fall vertraulich bleiben. Auch wenn einem da mal der Kragen platzt. Den Inhalt dieses Gesprächs dann auch noch scheibchenweise und zeitversetzt und über andere Medien gestreut rauszuhauen, finde ich unanständig."[3]
  • In ihrem Beitrag für das Deutschlandradio am 09.01.2012 nimmt Brigitte Baetz zu dem Vorgang Stellung.
"Spätestens als Chefredakteur Kai Diekmann den Bundespräsidenten in einem offenen Brief darum bat, die Abschrift seines Mailboxanrufes freizugeben, war die Grenze zur Scheinheiligkeit überschritten. Schon seit Tagen liegen zumindest Teile der erregten Telefon-Äußerungen Christian Wulffs den Redaktionen der großen Tageszeitungen vor, und diese Informationen kommen nicht aus dem Bundespräsidialamt."
  • Ulrich Schulte (taz) kommentiert die Indiskretionen der Bild-Zeitung in seinem Kommentar Diekmanns Anmaßung (07.01.2012). Es sei eine "Perfidie", wenn Bild durch die Veröffentlichungsanfrage an den Bundespräsidenten nun "als seriöses Blatt" dastehe, "das den Tabubruch scheut".
"Das wird erst dann vollends zu einer Farce, wenn man weiß, dass Bild-Leute seit Tagen mit Wulffs Sätzen bei anderen Medien hausieren gehen. Gerne lesen die Kollegen aus der Abschrift am Telefon vor, ausschließlich "unter 3" versteht sich. Diese Formel steht im journalistischen Sprachgebrauch dafür, dass die lancierte Information nicht in Berichten verwendet werden darf. Der Bild-Chef, der in seinem Haus ein strenges Regiment führt, weiß natürlich von diesem Durchstechen, ja er tut es sogar selbst." [1]
Am 13.01.2012 sandte die taz-Redaktion an Kai Diekmann einen Fragenkatalog in dieser Angelegenheit, der 6 Fragen und zahlreiche Zusatzfragen zum Umgang der Bild-Zeitung mit der Mailbox-Nachricht Wulffs enthält.[11] Der Bild-Chefredakteur sagte per Mail eine Antwort auf alle Fragen bis zum 16.01.2012, 16 Uhr, zu.[12]
  • Auch Marc Brost (Zeit) setzt sich am 13.01.2012 mit "der Rolle der Bild-Zeitung" in der Affäre auseinander. Er erkennt an, dass die "Aufklärung und Recherche, auch gegen Widerstände" am Anfang "eine wahrhaft journalistische Leistung" gewesen seien. Jetzt aber rolle "die zweite Welle, es geht nicht mehr um grobe Verfehlungen, sondern nur noch um seinen Kopf."
"Ganz zufällig findet die Abschrift einer privaten Mailboxnachricht ihren Weg in die Redaktionen anderer Zeitungshäuser, diese Medien berichten und zitieren, und Bild wiederum kann darüber berichten, ohne sich selbst die Finger zu beschmutzen. Aber liegt es nicht nahe, dass jene Zeitungen, die die Mailboxnachricht auszugsweise nachdruckten, sich vorher beim Bild-Chefredakteur erkundigten, ob sie die Aufnahmen von dessen Mailbox veröffentlichen dürften? Und wie lautete wohl die Antwort? (...) Vieles, was gerade abläuft, kennt man als Methoden des Boulevards, neu ist ihre Anwendung bei Politikern, und neu ist auch, dass seriöse Medien dabei mitmachen. Das ist der mediale Teil dieser Affäre. Journalisten müssen auf Politiker aufpassen, ja. Aber vielleicht sollten wir Journalisten auch ein wenig besser aufeinander aufpassen."[13]
  • In seinem Kommentar Diekmanns Anmaßung vom 07.01.2012 kritisiert Ulrich Schulte (taz) die manipulative Beeinflussung des Skandalverlaufs durch die Bild-Zeitung und führt dies auf eigene Interessen des Blatts und seines Chefredakteurs zurück, im wesentlichen auf Machtinteressen.
"Derweil wird dem Bundespräsidenten vorgeworfen, er betreibe eine Salamitaktik. Warum fragt niemand, warum Bild scheibchenweise informiert? Diekmanns Kalkül liegt dabei auf der Hand: Irgendwer wird Wulffs Sätze schon veröffentlichen. "Bild" stünde dann - quasi neutral - daneben, hätte andere Medien auf die eigene Seite gezogen und immer noch die letzte Hoheit über den Skandal. Denn die Bild-Leute stechen nur Passagen durch.
So schüren sie eine für sie hochproduktive Ungewissheit in Politik und Medien: Was kann da noch kommen? Für Diekmann ist das die machtvollste Position überhaupt. Er strickt am Mythos, von dem das Blatt lebt: Die letzte Patrone liegt in der Schublade von "Bild". Daran ändert auch die neueste Wendung nichts: "Bild" hat dem Präsidenten die Abschrift zukommen lassen. Er weiß jetzt also, womit er erpresst werden kann."
Schulte schreibt jedoch auch:
"Und auch das sei gesagt: Nicht nur Bild inszeniert. Auch andere Medien, die taz eingeschlossen, planen Berichterstattung dramaturgisch, um möglichst großen Effekt zu erzielen, oder spielen über Bande, wenn es ihren Interessen dient."[1]
  • Brigitte Baetz beklagt, die "publizistische Salamitaktik des Hauses Springer (bleibe) weitgehend undiskutiert".
"Die Bild-Zeitung hält das Thema mit großer Lust am Köcheln und spielt über Bande, um sich die Meinungsführerschaft in dieser Sache zu erhalten."[2]
  • Auch Silke Burmester kritisiert diese Strategie der Bild-Zeitung.[4]
"Kai Diekmann rundet in seinem Kommentar am Freitag in der "Bild"-Zeitung die gelungene Strategie des Über-die-Bande-Spielens, der Demontage ohne Kampfspuren, mit den Worten ab: 'Die Medien entscheiden nicht. Das tun die politischen Parteien. Die Bürger, die sich ihr Urteil bilden.'
Kai Diekmann ist es bravourös gelungen, die Aura des Fragwürdigen für einen Moment zu verlassen und sich als Kämpfer für die Freiheit und Wahrhaftigkeit zu inszenieren. Auch wenn so manche Frage offen bleibt. Wie etwa die, warum er den Versuch von Wulffs Einflussnahme, den, Druck auszuüben, nicht sofort öffentlich gemacht hat. Wenn es ihm tatsächlich um die Pressefreiheit oder auch um die Würde des Amtes des Bundespräsidenten gehen würde, hätte er diesen billigen Machtmissbrauch sofort publik machen müssen und nicht 14 Tage gewartet. Irgendwie hat das aber wohl nicht so ganz ins Konzept gepasst."[4]
  • Nach Ansicht von Jakob Augstein stößt den Lesern "vor allem die Rolle der 'Bild'-Zeitung (...) unangenehm auf".
"Ihnen entgeht nicht die Bigotterie, die darin liegt, dem Präsidenten die berüchtigte Salamitaktik vorzuwerfen - und sie in der scheibchenweisen Veröffentlichung des vorliegenden Materials selber zu verfolgen."[14]
  • Joachim Frank (Kölner Stadt-Anzeiger) sieht in dem Vorgehen der Bild-Zeitung ein "Schmierentheater".
"Anders als bei Wulffs „Salami-taktik“ handelt es sich hier um „Billard-Taktik“ mit kunstvollem Spiel über die Bande. Man kann das genial finden. Es kann aber auch das große Würgen einsetzen, wenn in diesem Match die Bälle „Wahrhaftigkeit“ und „journalistisches Ethos“ über den Spieltisch geschubst werden."[5]
  • Die Behauptung der Bild-Zeitung, Wulff habe mit seinem Mailboxanruf den Bild-Bericht verhindern, also Zensur ausüben wollen, hält Ulrich Schulte, taz nicht für glaubwürdig, da die Bild-Zeitung in diesem Fall den Text einfach drucken würde - denn "besondere Skrupel bei Veröffentlichungen (...), die die Intimsphäre von Menschen betreffen" habe sie nicht. Auch "ethische Überlegungen (seien) in der Bild-Logik vernachlässigbar, ebenso juristische Bedenken."[1]
  • Auch Brigitte Baetz (Deutschlandradio) glaubt, wenn "es der Bild-Zeitung wirklich um die Pressefreiheit (ginge), hätte sie nicht längst den kompletten Text auf eigene Gefahr veröffentlicht?"[2]
  • Matthias Thieme (Berliner Zeitung, 12.01.2012) meint, die Bild-Zeitung inszeniere sich "als Aufdeckerin von Missständen und Hüterin der Pressefreiheit".[3]
  • Auf Silke Burmester (Spiegel Online) wirkt der angebliche Angriff auf die Pressefreiheit deshalb unglaubwürdig, weil die Bild ihn erst nach 14 Tagen publik gemacht hat.[4]
  • Jan Fleischhauer schreibt dazu,
"ich hätte mir nie träumen lassen, dass Kai Diekmann einmal als Einschüchterungsopfer zu Ruhm und Ehre kommen würde. Er vermutlich auch nicht. Dem "Bild"-Chef minutenlang auf den Anrufbeantworter zu quatschen, war in diesem Fall kein Angriff auf die Pressefreiheit, sondern eine Riesendummheit."[15]
  • Neben starkem Protest zahlreicher Kommentatoren gegen eine Selbststilisierung der Bild-Zeitung als Gralshüterin der Pressefreiheit findet sie vereinzelt auch Anerkennung, zum Beispiel von Ex-WDR-Intendant Friedrich Nowottny:[16]
"Das sind ja unglaubliche Vorgänge, die wir in diesen Tagen erleben. Da macht sich die "Bild"-Zeitung zum Kämpfer für die Pressefreiheit ganz allgemein. Sie hat sich all von den Banden gelöst, die ein Teil ihrer Geschichte ausgemacht haben. Sie steht wirklich haushoch an der Spitze der Medien und versucht, die Medienfreiheit zu sichern, so wie das Grundgesetz es befiehlt."
  • In einem Kommentar mit dem Titel "Kein Machtkampf" in der Bildzeitung vom 5. Januar 2012 räumte Kai Diekmann ein, eine Menge mit dem Druck auf den Bundespräsidenten zu tun zu haben. Christian Wulff sei jedoch nicht Opfer einer Medien-Kampagne, so wenig wie die Bild-Zeitung die "verfolgte Unschuld" sei. "BILD teilt aus. Ist laut, manchmal schrill und oft scharf im Urteil." Wer austeile, müsse auch einstecken können.
"Also versuchen wir, Kritik und mancherlei Unterstellung sportlich zu nehmen. Aber wer den Fall und die Probleme des Bundespräsidenten jetzt zu einem 'Machtkampf' zwischen dem ersten Mann im Staat und der größten Zeitung im Land aufpumpt, der geht wahrhaft völlig in die Irre. In der Debatte um die politische Zukunft des Bundespräsidenten spielen die Medien eine Rolle. Sie stellen Fragen, decken Fehler auf, legen Widersprüche bloß. Aber sie entscheiden nicht. Das tun die politischen Parteien. Die Bürger, die sich ihr Urteil bilden. Und ganz zuerst Christian Wulff selbst."[17]
  • Die taz hat am 13. Januar 2012 in Anlehnung der zahlreichen Fragen an Christian Wulff in den vorangegangenen Wochen per Mail einen kleinen Fragenkatalog [18]an Kai Diekmann gesandt. Die Fragen zielen darauf ab, mehr Klarheit über den Umgang von "Bild" mit der Mailbox-Nachricht Christian Wulffs zu gewinnen.
In seiner Antwort per Mail persifliert Diekmann zunächst den Anruf Wulffs auf seiner Mailbox, sagt dann aber eine Beantwortung innerhalb von drei Tagen zu.[19]
  • Felix Dachsel, taz berichtet am 16.01.2012 unter der Überschrift "Diekmann wulfft sich raus" über die Beantwortung der taz-Fragen durch Kai Diekmann und veröffentlicht sie vollständig. Der Teaser lautet:
"Welche Rolle spielt Kai Diekmann in der Mailbox-Affäre? Die Bild versprach Aufklärung. Und wird zum Wulff: schweigen, leugnen, rausreden."
  • Die taz gebe sich mit den dürren Antworten Diekmanns nicht zufrieden und werde weitere Nachfragen stellen. Das begründet taz-Chefredakteurin Ines Pohl:
"In der Causa Wulff gehe es nicht nur um die Verfehlungen, die dem Bundespräsidenten angelastet werden, sondern auch darum, wie Medien immer wieder versuchen, selbst zu Akteuren werden, so taz-Chefredakteurin Ines Pohl. 'Nicht die Aufklärung, sondern die quotenträchtige Hinrichtung scheint doch in diesem Fall sehr offensichtlich eine große Rolle zu spielen.Deshalb unsere öffentliche Anfrage mit der wir nachvollziehbar machen wollen, wie das System Bild-Zeitung funktioniert. Bild-Chefredakteur Diekmann gelingt es mit seinen Antworten nicht, die Annahme zu entkräften, dass er gezielt Teile der Mailboxabschrift gestreut hat', so Pohl."[20]
Zur Mailbox-Affaire sagt Hans Werner Kilz (ehemaliger Chefredakteur des Spiegel und der Süddeutschen Zeitung) in der MZ : "Es ist das Normalste von der Welt, dass bei einem Chefredakteur das Telefon klingelt und ein Politiker am Apparat ist, dem etwas nicht passt. Da muss man dann eben den Rücken durchdrücken. (...) In Wahrheit hätte den Kollegen doch gar nichts Besseres passieren können."
Zum Verhalten Wulffs : "Ein so törichtes Vorgehen wie bei Wulff habe ich noch bei keinem Spitzenpolitiker erlebt. Spätestens als Diekmanns Mailbox ansprang, hätte er auflegen müssen. Stattdessen hat er ein Tondokument geliefert, mit dem er sich jetzt vorführen lassen muss."
" Ich glaube, dass Wulff sich als Präsident der Bunte- und Bild-Republik gesonnt und sich zu sicher gefühlt hat, weil er bei seiner Scheidung in der Boulevard-Presse gut weggekommen war und die neue Frau an seiner Seite dort strahlend platzieren konnte. Offenbar hat er deshalb geglaubt, er könne die jetzigen Unannehmlichkeiten auf kurzem Weg erledigen."
[21]

Kommentare zu den Medien (allgemein) Bearbeiten

  • Bereits am 19.12.2011 geht Malte Lehming, ehemals persönlicher Referent und Redenschreiber für Bundeskanzler Helmut Schmidt und heute Redakteur beim Tagesspiegel, in The European mit einem bestimmten Typus seiner Journalisten-Kollegen wegen ihrer "kollektiven Jagdlust" und ihres "politischen Vampirismus" scharf ins Gericht.
"Vielleicht muss man es mal gesehen haben, dieses Blitzen in den Augen von Journalisten, diese plötzlich erwachende Jagdlust, die ohnehin nur auf der Lauer gelegen hatte. Vielleicht muss man es mal erlebt haben, diese Schnelligkeit, mit der aufgrund eines vagen Verdachts Recherchegruppen gebildet werden, um Informanten anzuzapfen. Vielleicht muss man es mal gehört haben, dieses leise vor sich hin gemurmelte und als Selbstanfeuerung gemeinte „Jetzt ist er fällig“. Vielleicht allerdings muss man ihr auch mal widerstanden haben – dieser Versuchung, sich als Bob Woodward fühlen zu wollen, der einen Richard Nixon zu Fall bringt, weil die Einsicht gereift war, stattdessen nur ein williger Mitvollstrecker jener vampirischen Hetzmeute zu sein, die ohne Blut nicht lange leben kann und Opfer sucht, weil sie Opfer braucht. (...)
Die etwas etablierteren Medien sind da raffinierter. Man könnte auch sagen – hinterhältiger. Sie erkennen an, dass die Causa in der Wulff-Sache für einen Rücktritt nicht reicht. Doch leider habe wegen der öffentlichen Aufregung nun mal die „Glaubwürdigkeit“ des Präsidenten gelitten, er könne kein „Vorbild“ mehr sein, seine Funktion als „gesellschaftliches Gewissen“ sei beeinträchtigt. Mit anderen Worten: Weil der eigentliche Anlass zu banal ist, wird die inszenierte Empörung über die Banalität als Grund für einen Rücktritt instrumentalisiert. Und weil die Diskussion, die man selbst krampfhaft am Leben hält, nicht abebben will, muss sich der Präsident gefälligst fragen lassen, ob er das Amt durch seine Sturheit, in demselben bleiben zu wollen, nicht beschädigt. Perfider geht’s kaum."[22]
  • Bundestagspräsident Norbert Lammert kritisierte in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung (31.12.2011), die Medien hätten "Anlass zu selbstkritischer Betrachtung ihrer offensichtlich nicht nur an Aufklärung interessierten Berichterstattung."[23]
  • Joachim Frank bescheinigt Bettina Schausten (ZDF) Doppelmoral, weil sie im Fernsehinterview mit Wulff vorgab, für Übernachtungen bei Freunden 150 Euro zahlen und dies zwei Tage später mit den Worten "natürlich nicht" zurückgenommen habe.[5] Jakob Augstein schreibt in seiner Spiegel-Online-Kolumne "Im Zweifel links" am 12.01.2012 unter dem Titel "Die Medien und der böse Wulff", aus der Affäre Wulff sei "unversehens eine Affäre der Medien geworden. Immer mehr Leser glauben den Journalisten ebenso wenig wie der Politik." In der Affäre Wulff habe "eine unerwartete Solidarisierung mit der Politik stattgefunden - und es sind die Medien, die unter Rechtfertigungsdruck geraten. (...) In unserem Furor schreiben wir an unseren Lesern vorbei." Auf diese Weise werde man "in den Glaubwürdigkeitsverluststrudel der Politik hineingezogen." Die Presse werde "von vielen nicht als Teil der Lösung, sondern als Teil des Problems empfunden." Im Blick auf den Vorwurf, Journalisten seien in ihrer Berichterstattung offensichtlich nicht nur an Aufklärung interessiert, schreibt Augstein "Medien wollen Einfluss, Auflage, Geld, Ehre. Das sind die Triebkräfte. In der offenen Gesellschaft sollten sie zum Guten eingesetzt werden: zur Kontrolle der Macht. Manchmal kann man mit der hehren Gesinnung von Journalisten rechnen, meistens sollte man mit ihrem Jagdeifer rechnen."[14]
  • Klaus Peter Schöppner analysiert im Hamburger Abendblatt (12.01.2012) Ergebnisse von Umfragen, nach denen "den Deutschen (...) nicht wohl (ist) bei der medialen Anprangerung ihres Staatsoberhaupte angesichts der bisherigen Deliktlage". Möglicherweise hätten "Gutbürger mit dem Wulff-Bashing übertrieben". Je länger die Krise dauere und "je minimierter die 'aufgedeckten' Vergehen" würden, nähmen die Vorwürfe den Charakter einer Kampagne an. 57 Prozent der Bürger glaubten, "die Medien wollten Wulff 'fertigmachen'". Es entstehe derzeit "ein Solidarisierungseffekt mit einem eher harmlos wirkenden Präsidenten gegen eine als vielfach gnadenlos empfundene Presse".
"Nie verlangte es die Deutschen stärker nach Fairness, nach Strafe - aber auch eine zweite Chance -, nach Buße - aber auch Vergeben. Diese Fairness erfährt der Bundespräsident zurzeit nicht." [24]
  • Marc Brost (Zeit) hält die Entwicklung der Wulff-Affäre mittlerweile (13.01.2012) für eine Posse: "Der Präsident klammert sich an sein Amt, die Medien klammern sich an das Thema." Wulff verschanze sich in seinem Schloss und gebe den Unantastbaren.
"Und die Journalisten? Sie suchen weiter, schreiben weiter, fordern weiter den Rücktritt. Je weniger sie zutage fördern, desto verzweifelter und wütender wirkt es. Die anfänglich große Affäre wird kleinrecherchiert. (...) Bloß neigen eben auch die Medien dazu, das Maß zu verlieren, immer weiterzumachen und einfach nicht stoppen zu können, selbst wenn es nichts Neues – oder besser: nichts Wichtiges – mehr zu sagen gibt. Das ist die bittere Erkenntnis aus dieser Affäre. Eine der wichtigsten Aufgaben von Journalisten ist es, Sachverhalte auch moralisch zu bewerten. Aber wer bewertet eigentlich die Moral der Journalisten? (...) Es ist etwas verrutscht in der journalistischen Arbeit: der Maßstab nämlich, welches Thema groß ist und welches klein; welches wichtig ist und welches nicht. Dazu gehört auch die Frage, wann aus einer Recherche eine Kampagne wird. (...) Natürlich sollten Journalisten nun weiterrecherchieren und berichten, wenn es etwas zu berichten gibt. Aber auch nur dann. Es mag schwer zu akzeptieren sein, dass man jemanden nicht loswird, obwohl er eigentlich gehen müsste. Aber anzuerkennen, dass Wulff erst mal bleibt, wäre keine Verbeugung vor Wulff. Sondern eine vor dem Grundgesetz."[13]
"Der Fall Wulff ist auch eine Affäre der Medien. Eine publizistische Auffälligkeit folgt der anderen. Eine Reihe bemerkenswerter Fehlleistungen kommt dazu. Das bedeutet nicht, dass der Bundespräsident alles richtig oder auch nur glücklich gemacht hätte. Es heißt jedoch, dass das Thema ohne mediale Fehler und Einflüsse nach klassischen Maßstäben längst keines mehr wäre. Verschiedene Faktoren verhinderten dies – ein Überblick."
"Die Affäre um Christian Wulff ist keine geschlossene mediale Hetz­kampagne. Aber eine raffinierte Selbstinszenierung der 'Bild'"
"Wie das Boulevardblatt Politiker macht und vernichtet - über das Verhältnis zwischen "Bild"-Zeitung und Politikern. Journalisten können Politik beeinflussen, sollen aber nicht Akteure werden. Trotzdem lassen sie sich immer wieder dazu verführen, Politiker hoch und runter zu schreiben."
"Die Berichterstattung zur Präsidentenkrise ist selbst in die Krise geraten. Journalisten warnen einander vor der „öffentlichen Meinung“. Was das ist, weiß leider keiner so genau."
"Die Bevölkerung ist in der Causa Wulff gespalten. Aber wer den Medien eine "Hetzkampagne" vorwirft, verwechselt Ursache und Wirkung."
"Kanzlerin Merkel hat sich im Fall Wulff erstmals zur Rolle der Medien geäußert: Es sei deren Aufgabe, nachzuhaken. Umgekehrt sei Wulff zu Antworten verpflichtet."
"Bundespräsident Wulff dreht den Spieß um: Nach dem Bekanntwerden seiner Interventionen im Fall Sarrazin fordert er eine Mediendebatte."
Dpa - Eröffnung des newsrooms in Berlin mit Bundespräsident Wulff11:08

Dpa - Eröffnung des newsrooms in Berlin mit Bundespräsident Wulff

Rede des Bundespräsidenten Christian Wulff anlässlich der Eröffnung der dpa-Zentralredaktion und mit neuem newsroom in Berlin am 15.09.2010

"Der Bundespräsident hat ein schwieriges Verhältnis zu den Medien, nicht erst seit dem Anruf beim "Bild"-Chef. Schon als Ministerpräsident wetterte Christian Wulff gegen kritische Berichterstattung. Selbst bei einem Auftritt mit Kindern gab es Schelte vom damaligen Landesvater."
"Wulff wusste bisher, wie er Berichterstattung lenken kann. Seine Nachricht auf der Mailbox des 'Bild'-Chefredakteurs bezeugt, wie er an den Pakt mit dem Blatt glaubte."
"Christian Wulff will im Amt bleiben. Doch seine Leidenschaft richtet sich auf die eigene Person, nicht auf das Amt. Denn das nutzt er nur als Karriereplattform."
"Was sagt diese Affäre über die deutsche Politik und ihre Protagonisten? Wie steht es um das Verhältnis zwischen Politik und Medien? 'Wer mit dem Teufel Suppe isst, braucht einen langen Löffel', sagt der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler und zielt damit auf das Verhältnis der Springer-Presse zu Christian Wulff. 'Wenn 'Bunte' und 'Bild' die Zentralorgane der gesellschaftlichen Debatte werden, dann läuft etwas schief.'"
"In der Causa Wulff spielt die 'Bild'-Zeitung eine zentrale Rolle ohne sie selbst einzunehmen. Und sie sah die Zukunft schon lange voraus."
"Bild nutzt Wulffs Intervention nicht journalistisch, sondern taktisch-politisch. Sie verwendete die Information, um die Affäre zu verlängern und Wulff in die Enge zu treiben. (...) Ginge es Bild nur um Aufklärung, hätte sie die Tirade schon vor Wochen abdrucken müssen. Daran war Bild offenbar nicht gelegen. Sie will Wulff demontieren. Und ihre Macht demonstrieren. Die Botschaft lautet: Ohne uns regiert hier niemand, und schon gar nicht gegen uns."
"Man mag nicht glauben, dass seriöse Organe nicht bemerken, wie sie von Diekmann eingespannt werden. Die Bürger bemerken das schon. Das erstaunlichste Ergebnis dieser Affäre ist wohl, dass die Mehrheit der Menschen ganz andere Schlussfolgerungen zieht als die Medien."
"Wurde Wulff nur Präsident, weil seine Frau mehr Einkommen verlangte? Attackierte er 'Bild' nur zu ihrem Schutz? Über die Fantasien der Medien in der Affäre Wulff."
"Die Jagd auf unseren Bundespräsidenten wirkt immer bizarrer. Kaum auszudenken, die Antreiber würden so viel Eifer entwickeln, wenn es mal um wirklich Wichtiges geht."
"Die 'Bild' befasst sich mit ihrer Rolle in der Wulff-Affäre. Der Chefredakteur verspricht Antworten. An wen gab er die Mailbox-Nachricht des Bundespräsidenten weiter?"
"Die Bild-Zeitung hat nicht nur den Wulff-Skandal aufgedeckt, wofür sie zu loben ist. Sie hat auch Informationen unterdrückt, wofür sie zu tadeln ist. Sie hat sich nicht darauf beschränkt, über den Skandal zu berichten. Sie hat die Berichterstattung auch inszeniert. Dahinter wird der – von ihr geleugnete – Anspruch sichtbar, selbst Politik zu machen. Viele Medien taten es ihr gleich und ließen sich von ihr instrumentalisieren. Es zeigt sich, dass gewichtete Berichterstattung immer mehr von Kampagne-Journalismus verdrängt wird. Er hat sich unverhohlen zum Ziel gesetzt, Wulff zu stürzen."
"Im Jahr 2005 schrieb "Bild"-Chef Kai Diekmann an Giovanni di Lorenzo von der "Zeit", um die Veröffentlichung einer Studie zu verhindern. Mit Erfolg."
"Die Berichte über Bundespräsident Wulff geraten zur Posse. Wichtigtuerei, herabsetzende Nachrede und dümmliche Witzeleien trüben die Aufklärung."
"Auch Sandra Maischberger und ihrer Gäste diskutierten wieder über das Thema Wulff. Und verwiesen die Frage, warum die Debatte solange dauert, zurück an den Verantwortlichen."
"Die 'Bild'-Zeitung macht den Wulff: Sie beantwortet der 'taz' 15 Fragen zu ihrer undurchsichtigen Rolle in der Affäre um den Bundespräsidenten - lässt aber entscheidende Punkte unauffällig weg. Der Eindruck der Transparenz, den das Blatt erwecken will, ist falsch. Wer nachfragt, erntet Schweigen."
"Im Gerichtssaal der Medien gibt es für Wulff keinen fairen Prozess."
"Die immer neuen Details zu mutmaßlichen Verfehlungen des Bundespräsident Christian Wulff hätten zum Teil ein 'etwas kleinliches Format' angenommen und lenkten von der eigentlichen Kernaffäre ab, findet Jasper von Altenbockum, verantwortlicher Redakteur des Innenressorts der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung'."

Kommentare zur Causa WulffBearbeiten


Weitere Kommentare finden sich im Pressespiegel zur Causa Wulff

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Ulrich Schulte: Diekmanns Anmaßung - taz, 07. Januar 2012.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Brigitte Baetz.: Lust am (Hoch-)Kochen - Die Machtspielchen der Bild-Zeitung - bei dradio, 09. Januar 2012.
  3. 3,0 3,1 3,2 Matthias Thieme: Wallraff im Interview – Lebenslänglich für Wulff - FR und Berliner Zeitung, 12. Januar 2012.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Silke Burmester: Komm zurück, liebe Würde! Spiegel online vom 8. Januar 2012.
  5. 5,0 5,1 5,2 Joachim Frank: Ein Land in der Dampfsauna Kölner Stadtanzeiger vom 12. Januar 2012.
  6. Jan Fleischhauer: Unheimliche Verfolger - Spiegel online, 09. Januar 2012.
  7. 7,0 7,1 7,2 7,3 Michael Spreng: Am Tropf von BILD - Sprengsatz, 09. Januar 2012.
  8. 8,0 8,1 dradio kultur: "Wir können die Fakten liefern, mehr dürfen wir nicht" - Deutschlandradio Kultur, 09. Januar 2012.
  9. Heribert Prantl: Wider die Maßlosigkeit Süddeutsche Zeitung vom 9. Januar 2012.
  10. Ex-Bild-Chefredakteur Udo Röbel: "Wulff ist für 'Bild' ein Sechser im Lotto" taz vom 11. Januar 2012.
  11. Taz.de: Mit Bitte um rasche Antwort, taz, 13. Januar 2012
  12. Taz.de: Wulff-Spott und eine Zeile Ernst, taz, 13. Januar 2012
  13. 13,0 13,1 Marc Brost: Präsidenten-Affäre Eine Machtprobe in Zeit Online vom 13. Januar 2012.
  14. 14,0 14,1 Jakob Augstein: Glaubwürdigkeit – Die Medien und der böse Wulff in Spiegel Online vom 12. Januar 2012.
  15. Jan Fleischhauer: Der Schwarze Kanal – Unheimliche Verfolger (Kolumne), Spiegel online, 09. Januar 2012.
  16. Deutschlandfunk: "Dieses Land wird weiter mit diesem Bundespräsidenten leben", 5. Januar 2012
  17. Bild.de: "Kein Machtkampf", Bild, 5. Januar 2012
  18. taz.de: Mit Bitte um rasche Antwort, taz, 13. Januar 2012
  19. taz.de: Wulff-Spott und eine Zeile Ernst, taz, 13. Januar 2012
  20. taz.de: Diekmann wulfft sich raus, taz, 16. Januar 2012
  21. Mitteldeutsche Zeitung: "Journalisten sollten nicht so larmoyant sein" vom 06.01.2012
  22. Malte Lehming: Waidmannsheil in The European vom 19. Dezember 2011.
  23. Beate Tenfelde: Bundestagspräsident Lammert kritisiert Medien im Fall Wulff in Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) vom 31. Dezember 2011.
  24. Klaus-Peter Schöppner: Bürger geben Wulff eine zweite Chance Hamburger Abendblatt vom 12. Januar 2012.

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