Fandom

WulffPlag

Wulff-Affäre

107Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Kommentare0 Teilen

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Medienaffäre Bearbeiten

Anfang Januar 2012 kam Christian Wulff erneut in die Kritik. Die Sonntagszeitung der Frankfurter Allgemeinen berichtete am 1. Januar[1] (gefolgt von der Süddeutschen Zeitung am darauffolgenden Montag), dass Wulff am 12. Dezember 2011 – einen Tag vor Bekanntwerden der Kreditaffäre – versucht habe, bei Kai Diekmann, dem Chefredakteur des Boulevardblatts Bild, und bei Mathias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden des Axel Springer Verlages, telefonisch und unter Androhung von Strafanzeigen die Berichterstattung zu verhindern.[2][3][4] Vorausgegangen waren Fragen der Bildzeitung zum Kreditvertrag mit Edith Geerkens, den Wulff der Bildzeitung vorgelegt hatte, um Gerüchte über die Finanzierung seines Hauses auszuräumen.[5] Ebenso habe er bei Friede Springer telefonisch versucht, gegen den Bild-Bericht zu intervenieren.[6] Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) übte scharfe Kritik gegenüber jeglichen Versuchen prominenter Persönlichkeiten, Einfluss auf die kritische Berichterstattung von Medien ausüben zu wollen.[7] Dagegen beurteilte der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht Dieter Grimm den Anruf differenziert, aber Wulff habe damit „nicht gegen das Grundgesetz verstoßen“.[8] Der frühere Chefredakteur von Spiegel und Süddeutscher Zeitung, Hans Werner Kilz, wertete es als „das Normalste von der Welt, dass bei einem Chefredakteur das Telefon klingelt und ein Politiker am Apparat ist, dem etwas nicht passt“, nannte Wulffs Handeln aber zugleich „ein so törichtes Vorgehen wie (ich es  …) noch bei keinem Spitzenpolitiker erlebt“ habe.[9] Später wurde bekannt, dass Wulff auch bei der Zeitung Welt am Sonntag versucht hatte, eine Berichterstattung zu unterbinden.[10]

In einem Doppelinterview von ARD und ZDF mit Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten am 4. Januar 2012 gestand Wulff Fehler ein.[11] Er bat aus familiären Gründen um Verständnis für seinen Anruf beim Bild-Chefredakteur Diekmann und sagte dabei unter anderem, dass er nicht versucht habe, einen Artikel bezüglich seines Privatkredites zu verhindern, sondern lediglich um einen eintägigen Aufschub gebeten habe.[12] Dieser Aussage wurde jedoch noch am selben Abend durch den stellvertretenden Chefredakteur der Bildzeitung, Nikolaus Blome, widersprochen: „Das war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu verhindern [… und] zu unterbinden“.[13] Eine Veröffentlichung des Telefonats seitens Bild, wie von ihrem Chefredakteur Diekmann am 5. Januar 2012 in einem offenen Brief erbeten, lehnte Wulff zunächst ab.[14][15][16] Später hat er, nachdem ihm die Bildzeitung die Abschrift der Mailbox-Nachricht zukommen ließ, die Veröffentlichung, die er als „Tabubruch“ bezeichnet, in die Verantwortlichkeit der Bild-Zeitung gestellt.[17]

In der Interview-Sendung erklärte Wulff:

„Ich gebe Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten. […] Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger, jedes Detail zu den Abläufen sehen.“

Christian Wulff: Interview mit ARD und ZDF vom 10. Januar 2012[18]

Es erschien eine auf den 5. Januar 2012 datierte sechseitige Zusammenfassung der Vorgänge aus Sicht der Kanzlei Redeker Sellner Dahs durch Rechtsanwalt Gernot Lehr.[19]; später erschien ein online durchdsuchbares Dokument im Internet.[20].

Der Spiegel machte die Wulff-Affäre am 9. Januar zum Titelthema (Heft 2/2012, Titel "In Amt und Würden")[21]; ebenso drei Wochen zuvor (Heft 51/2011 vom 17. Dezember 2011, Titel "Der falsche Präsident" ).[22]

Angenommene Urlaubseinladungen Bearbeiten

Im Rahmen der Kreditaffäre legte Christian Wulff im Dezember 2011 bei seinem Anwaltsbüro eine Liste mit sechs angenommenen Urlaubseinladungen zwischen 2003 und 2010 auf. Insgesamt sechsmal hat Wulff demnach bei Freunden Urlaub gemacht: Dreimal folgte er der Einladung von Edith und Egon Geerkens, zweimal nach Spanien, einmal zum Jahreswechsel 2009/2010 nach New York, je einmal der des Talanx-Aufsichtsrates Wolf-Dieter Baumgartl nach Italien und des Ehepaars Angela Solaro-Meyer und Volker Meyer nach Norderney. Im Jahr 2010 mietete er ein Appartement in der Ferienanlage des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer auf Mallorca.[23] Mehrere Medien kritisierten, er habe auch Angebote reicher und einflussreicher Personen angenommen, die er erst während seiner Zeit als Ministerpräsident kennengelernt hatte.[24]

Anzeigenkampagne für „Besser die Wahrheit“ Bearbeiten

Im Dezember 2011 wurde bekannt, dass der Unternehmer Carsten Maschmeyer während des niedersächsischen Wahlkampfs im Herbst 2007 die Anzeigenkampagne für Hugo Müller-Voggs und Christian Wulffs Interviewbuch „Besser die Wahrheit“ mit 42.731,71 Euro[25] aus seinem Privatvermögen finanziert hatte. Das Buch, in dem Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt, diente laut Recherchen von Bild auch zu Wahlkampfzwecken. Christian Wulff erklärte, nichts über die Hintergründe der Finanzierung der Anzeigenkampagne gewusst zu haben, was von einem Sprecher Maschmeyers bestätigt wurde.[26][25] Die halbe Auflage wurde von Partei- bzw. Geschäftsfreunden aufgekauft.[27]

Tätigkeit als Aufsichtsrat von Volkswagen Bearbeiten

Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Januar 2012 fordern „fast 70 Banken, Versicherungen und Fonds“ (Aktionäre der VW-AG) von Wulff „Schadensersatz in Höhe von insgesamt 1,8 Milliarden Euro“; im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche werden Wulff „Versäumnisse“ und „Falschinformationen des Kapitalmarkts“ angelastet.[28]

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Erklärung des Bundespräsidenten: Über Telefonate gibt der Präsident keine Auskunft. Frankurter Allgemeine (1. Januar 2012). Abgerufen am 4. Januar 2012.
  2. Ralf Wiegand (2. Januar 2012): Enthüllung: Wulff drohte "Bild"-Journalisten mit Strafanzeige. Abgerufen am 2. Januar 2012.
  3. Wulff soll Journalisten gedroht haben. Frankfurter Rundschau (2. Januar 2012). Abgerufen am 2. Januar 2012.
  4. Der Wulff-Anruf beim BILD-Chefredakteur. Bild.de, 2. Januar 2012, abgerufen am 2. Januar 2012.
  5. Bild-Zeitung veröffentlicht Anfrage an Wulff. spiegel.de, 4. Januar 2012, abgerufen am 7. Januar 2012.
  6. Der Klempner im Schloss Bellevue. Cicero, 2. Januar 2012, abgerufen am 2. Januar 2012.
  7. Christian Wulff bedrängte auch Friede Springer. Focus Online (2. Januar 2012). Abgerufen am 3. Januar 2012.
  8. Max Steinbeis: Dieter Grimm: Wulffs Anruf war kein Eingriff in die Pressefreiheit. In: verfassungsblog.de. 7. Januar 2012, abgerufen am 10. Januar 2012.
  9. Interview mit Hans Werner Kilz: „Journalisten sollten nicht so larmoyant sein“. In: Mitteldeutsche Zeitung. 6. Januar 2012, abgerufen am 10. Januar 2012.
  10. Als Wulff die „Welt am Sonntag“ ins Visier nahm. Welt Online (3. Januar 2012). Abgerufen am 4. Januar 2012.
  11. Das gesamte Wulff-Interview in Video und Wortlaut. Spiegel Online (4. Januar 2012). Abgerufen am 5. Januar 2012.
  12. Bundespräsident im Kriseninterview: "Man ist Mensch und man macht Fehler". Süddeutsche Zeitung (4. Januar 2012). Abgerufen am 4. Januar 2012.
  13. TV-Auftritt des Bundespräsidenten: "Bild"-Vize widerspricht Wulff. Spiegel Online (4. Januar 2012). Abgerufen am 5. Januar 2012.
  14. Wulff lehnt Veröffentlichung des "Bild"-Anrufs ab. Zeit Online (5. Januar 2012). Abgerufen am 5. Januar 2012.
  15. Umstrittene Mailbox-Nachricht an Bild-Chef Diekmann: Wulff lehnt Veröffentlichung von Anruf ab. Süddeutsche Zeitung (5. Januar 2012). Abgerufen am 5. Januar 2012.
  16. Wulff lehnt Veröffentlichung seines Anrufs bei "Bild" ab (Anmerkung: Veröffentlichung des Originalbriefverkehrs). Bild (5. Januar 2012). Abgerufen am 5. Januar 2012.
  17. Mailbox-Anruf: Wulffs Anwalt geht in die Offensive. Spiegel Online (9. Januar 2012). Abgerufen am 9. Januar 2012.
  18. Erst versprochen - jetzt gebrochen. tagesschau.de (10. Januar 2012). Abgerufen am 10. Januar 2012.
  19. Zusammenfassende Stellungnahme zu den Medienanfragen an Christian Wulff. Redeker Sellner Dahs Rechtsanwälte (5. Januar 2012). Abgerufen am 10. Januar 2012.
  20. Wulffs Antworten jetzt online durchsuchbar
  21. spiegel.de: [1]
  22. spiegel.de: [2]
  23. Urlaub in Ferienhäusern: Wulff nennt seine Gastgeber. Spiegel Online (18. Dezember 2011). Abgerufen am 2. Januar 2012.
  24. Christina Hebel, Anna Reimann (20. Dezember 2011): Urlaubsliste des Bundespräsidenten: Wulffs spendable Freunde. Spiegel Online. Abgerufen am 2. Januar 2012.
  25. 25,0 25,1 Affäre um Bundespräsidenten: Freund Maschmeyer zahlte Anzeigen für Wulff-Buch. Der Spiegel, 19. Dezember 2011, abgerufen am 20. Dezember 2011.
  26. 42 000 EURO: Maschmeyer bezahlte die Anzeigen für das Wulff-Buch. Bild, 19. Dezember 2011, abgerufen am 20. Dezember 2011.
  27. Kostenlose Werbung für Wulff. Zeit Online (22. Dezember 2011). Abgerufen am 2. Januar 2012.
  28. Milliardenforderung an Wulff. Frankfurter Allgemeine Zeitung (6. Januar 2012). Abgerufen am 9. Januar 2012.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki